Aktueller Forschungsstand bei Nabelschnurblut und Stammzellentherapie

Mama mit Baby

Viele werdende Eltern werden von einem Gynäkologen oder ihrer Hebamme darauf angesprochen, ob sie das Nabelschnurblut und die darin enthaltenen Stammzellen ihres Kindes nach der Geburt spenden oder einlagern lassen möchten. Während eine Spende kostenlos ist, kostet die Einlagerung der Stammzellen für den eigenen Nachwuchs circa 2.000,00 bis 2.500,00 Euro. Obwohl die sechs in Deutschland bestehenden privaten Blutbanken, die das Nabelschnurblut einlagern können, den Eltern auch Finanzierungsmöglichkeiten anbieten, stellt sich natürlich die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, Stammzellen einzulagern und wofür sie später einmal verwendet werden können. Doch gerade auf dem Gebiet der Stammzellentherapie wird sehr viel geforscht und die Wissenschaft kommt zu immer neuen Ergebnissen.

Mit Stammzellen beschichtete Gefäßprothesen

In den USA läuft zurzeit eine Studie, in der synthetische Gefäßprothesen von innen mit Stammzellen beschichtet werden. Diese Prothesen wurden anschließend als Bypass für Beinarterien verwendet. Zum Vergleich wurden einer anderen Gruppe von Patienten herkömmliche, mit Heparin beschichtete, Gefäßprothesen eingesetzt. In etwa einem halben Jahr wird dann untersucht, ob die mit den Stammzellen beschichteten Prothesen eine bessere Durchgängigkeit bieten als die herkömmlichen Gefäßprothesen.

Stammzellentransplantation bei Multipler Sklerose

In den USA wurden 35 an Multipler Sklerose (MS) erkrankte Patienten für etwa 15 Jahre mit ihren eigenen Stammzellen behandelt. Bei den Patienten mit aktiven Läsionen, also Narbengewebe im Gehirn, trat bei 44 % keine Verschlechterung des Krankheitsbildes auf, bei Patienten ohne aktive Läsionen immerhin noch bei 10 %.

Behandlung mit Stammzellen bei chronischen Erkrankungen der Leber

Patienten, die unter einer chronischen Erkrankung der Leber leiden, warten oft jahrelang vergeblich auf ein Spenderorgan. Da die Anzahl an Spenderorganen aber sehr begrenzt ist, erforschen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik seit einiger Zeit die Ähnlichkeit von Leberzellen und Stammzellen. Dabei wurde festgestellt, dass die Genaktivität von beiden Arten von Zellen sehr ähnlich ist. Die Forscher arbeiten daran, künstliche Leberzellen aus Stammzellen herzustellen, die die Funktionen echter Leberzellen übernehmen können. Dies ist bereits zu einem großen Teil gelungen und die hergestellten Leberzellen können zum Beispiel Glykogen speichern oder Harnstoff produzieren.

Stammzellen bei Parkinson

Bei der Behandlung von Parkinson werden schon seit einiger Zeit Stammzellen eingesetzt. Bisher wurden diese Stammzellen von Neurologen bei einer Operation in das Gehirn von Parkinsonkranken implantiert, um dort die erkrankten Gehirnzellen zu reparieren. Doch eine Operation am Hirn birgt immer viele Risiken in sich und die Patienten benötigen eine lange Zeit, um sich von den Folgen solch einer Operation zu erholen. Darum sind die Forscher auf der Suche nach alternativen Behandlungsmethoden, um Parkinsonkranke mit den benötigten Stammzellen zu versorgen. Eine Möglichkeit ist es, die Stammzellen intravenös in den Blutkreislauf des Patienten zu bringen. Doch diese Behandlung birgt das Risiko, dass die Zellen gar nicht bis zum Gehirn gelangen, sondern unterwegs im Körper hängen bleiben. Außerdem wurden bei der intravenösen Behandlung Nebenwirkungen wie zum Beispiel eine Lungenembolie oder verstopfte Zellen in Organen, die gut durchblutet sind, wie beispielsweise der Milz, beobachtet. Darum kamen die Wissenschaftler auf die Idee, die benötigten Stammzellen über die Nasenschleimhaut an das Gehirn zu leiten. Der Patient atmet also die Stammzellen quasi ein, damit sie ihren Weg ins Gehirn finden können. Forschungen haben gezeigt, dass die auf diese Weise verabreichten Zellen sechs Monate und länger überlebt haben und ihre Arbeit am Gehirn aufnehmen konnten. Es ist noch nicht sicher, ob die Stammzellen als Nasenspray, als Nasentropfen, über einen Katheter oder mithilfe einer kleinen Spritze dem Patienten verabreicht werden. Auch die Höhe der Dosierung und die Kombination der Stammzellen mit Hyaluron, das die Nasenschleimhaut auflockern soll, wird noch untersucht. Die gesamte Art der Behandlung ist noch in der Testphase und es wird noch einige Zeit dauern, bis auf eine Operation zur Behandlung Parkinsonkranker mit Stammzellen verzichtet werden kann.

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