Reiki an Krankenhäusern

Reiki Behandlung - Teresa Ostos - flickr - CC BY 2.0

Bis vor kurzem galt Reiki nicht als Heilverfahren, das medizinisch ernst genommen werden kann. Vielmehr wurde die von Mikao Usui entwickelteTechnik des Handauflegens zwecks Übertragung universeller Energie vornehmlich im spirituellen Bereich angewendet. Doch im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) wurde Reiki erstmals während einer Testperiode von drei Jahren an 800 Patienten und in rund 4.000 Behandlungen ausprobiert, um bessere Heilerfolge zu erzielen. Das Ergebnis war so überzeugend, dass das UKB nun sein Therapeuten-Personal um zwei weitere Entspannungs-Therapeuten aufstocken wird.

Reiki-Anwendungen in einem Berliner Unfallkrankenhaus

Im UKB – einem Lehrklinikum der Charité – werden vornehmlich Notfallpatienten eingeliefert, die aus dem Raum Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg stammen. In der Rettungsambulanz des Unfallkrankenhauses werden Unfallopfer behandelt. Bei einigen Spezialdisziplinen wie Brandverletzungen, Rückenmarks- und Handverletzungen nimmt das UKB ein Top-Ranking ein. Moderne Schulmedizin und Reiki – passt das zusammen? Bisher tat es das nicht, nun aber wohl doch. Mittlerweile arbeiten drei Reiki-Therapeuten am UKB in Festanstellung. Zwei weitere kommen demnächst hinzu. Außerdem praktizieren 70 Pflegekräfte am UKB privat Reiki. Das klingt nach einem Durchbruch in einem unerwarteten Umfeld.

Wie kam es zu diesem Versuch?

Reiki Behandlung - Teresa Ostos - flickr - CC BY 2.0Ohne Einverständnis und Kostenübernahme durch Berufsgenossenschaften sowie die Unterstützung der Krankenhausleitung hätte dieser Versuch niemals stattfinden können. Der Beginn dieser Behandlungsoption für die meist bei der Berufsausübung verunfallten Menschen lag aber darin, dass am UKB nach effektiveren Schmerzbehandlungs-Methoden gesucht wurde. Im UKB-eigenen „Zentrum für spezialisierte rehabilitative Medizin“ hatte man erkannt, dass Schmerzmittel und operative Eingriffe vielfach keine ausreichend guten Resultate bei chronischen Schmerzen erbrachten. Die Idee entstand, bei der Schmerzwahrnehmung anzusetzen. Pflegedirektor Matthias Witt macht dann den Vorschlag, Reiki in die Behandlung zu integrieren.

Dieser Vorschlag fand auch bei Bewegungstrainer und Krankenpfleger Marc Bendach großen Anklang. Er war nebenbei Reiki-Lehrer und hatte bereits einige Pflegekräfte am UKB darin geschult. Zunächst herrschte unter den UKB-Fachärzten Skepsis. Doch dann lud die Klinikleitung Marc Bendach zum Gespräch. Anschließend wurde die Reiki-Behandlung genehmigt und bei chronischen Schmerzpatienten ins Behandlungskonzept integriert. Mit erstaunlichem Erfolg. Von allen UKB-Angeboten der Schmerzbehandlung – als da waren Progressive Muskelrelaxation, Qi Gong, Bio-Feedback, Achtsamkeits-Training, Genusstraining, Yoga oder Autogenes Training – schnitt Reiki bei den Patienten am besten ab. Über achtzig Prozent der Befragten gaben an, dass Reiki in ihren Augen das beste an der neuen klinischen Schmerztherapie sei.

Kritische Untertöne, gemischte Reaktionen

Reiki-Therapeut Marc Bendach wurde von da an zu den UKB-Schmerzkonferenzen geladen, um seinen Therapie-Ansatz zu erklären. Auch wenn viele UKB-Mediziner offen für alternative Therapieansätze waren, stießen sie sich gerade am Konzept der universellen Energie und ihrer Übertragung durch einen Reiki-Therapeuten. Das Thema trat viele Diskussionen los. Doch die positive Reaktion bei den Unfallpatienten gab den Ausschlag, das konventionelle Therapiekonzept des UKB um Reiki-Anwendungen zu erweitern. Der Leiter des berufsgenossenschaftlichen Klinikums sah hier die Möglichkeit, Schmerzpatienten schneller wieder ins Arbeitsleben zu integrieren.

Hinzu kam: Die Berufsgenossenschaften bezahlen Therapien, die wirklich helfen. Das berufsgenossenschaftliche „Zentrum für Rehabilitation“ am Berliner Unfallkrankenhaus ist im Berliner Raum einzigartig. Es bietet heute 40 Behandlungsplätze für die semistationäre Weiterbehandlung. Heute wird Reiki im UKB auch in den Reha-Bereichen für Gleichgewichtstraining, Prothesentraining, Schulter-, Hand-, oder Knie-Reha angeboten. Die Klinikleitung sieht die Reiki-Therapie nicht nur als hilfreiches Entspannungstraining, sondern auch als Vertrauensbildung zwischen Mediziner und Patient. Entspannte Patienten sind offener für konventionelle therapeutische Maßnahmen.

Reiki heilt auch die Psyche

Bei der Arbeit verunfallte Patienten sind oft traumatisiert. Sie leiden häufig unter starken Schmerzen. Die Eingliederung von Reiki-Behandlungen in das Therapiekonzept hilft den Betroffenen auch auf der seelischen Ebene. Die Leiterin der psycho-traumatologischen Abteilung am UKB arbeitet daher mit den Reiki-Therapeuten zusammen. Mittlerweile erhält jeder Patient, der an der UKB-Schmerz- oder Prothesen-Reha aufgenommen wird, Reiki. Bei der Hand- und Schulter-Reha wird fallspezifisch entschieden. Sobald bei chronischen Schmerzpatienten psychische Komponenten erkennbar werden, ist im UKB eine Reiki-Behandlung angesagt. Die Erfahrung der Therapeuten ist, dass Reiki hilfreich dabei ist, den Unfall und seine Folgen zu verarbeiten. Oftmals kann der Patient sich dadurch sowie begleitende psychotherapeutische Behandlung die Ursachen seines Unfalls bearbeiten.

Erschöpfung, Stress und anderes hat ein Unfallgeschehen oft begünstigt. Reiki fördert den Verarbeitungs- und Heilungsprozess. Zugleich werden unfallbedingte Schmerzen ebenfalls oft effektiv gelindert. Interessant ist, dass viele anfangs skeptische UKB-Patienten sich nach der Entlassung weiter mit Reiki befassen. Für die UKB-Therapeuten bedeutet es Veränderung ihrer Tätigkeit, nun täglich 5-6 Stunden ein Reiki-Kanal zu sein. Die positiven Ergebnisse im schmerztherapeutischen Bereich sind dabei so überzeugend, dass die UKB-Abteilung für Entspannungstherapie deshalb erweitert und ausgebaut wird. Die wachsende Akzeptanz der Ärzteschaft und der Berufsgenossenschaften, auch nicht-medizinische Verfahren zu integrieren, ist ebenfalls hilfreich.

Wird Reiki im medizinischen Bereich anerkannt?

Die Anerkennung alternativer Methoden ist sicher in den letzten Jahren gewachsen. Die Wirkung von Reiki-Behandlungen auf Patienten aus allen Abteilungen wird nicht nur am Unfallkrankenhaus Berlin weiter erforscht. Die Ergebnisse der dreijährigen UKB-Studie werden auch in Reiki-Kreisen und anderen Unfallkrankenhäusern diskutiert. Fakt ist aber, dass die Kostenübernahme für diesen therapeutischen Ansatz bisher nur in berufsgenossenschaftlichen Kliniken gesichert ist. Ob sich deshalb auch die Einschätzungen von Krankenkassen bezüglich einer Kostenübernahme von Reiki-Behandlungen und -Kursen positiv verändern wird, wäre manchen wünschenswert, ist allerdings fraglich. Für die Nachfrage nach Reiki-Kursen in Berlin und anderen Städten sind die Erfolge im ukb jedenfalls positiv.

Ein Blick über den großen Teich

In den USA sind Reiki-Behandlungen im klinischen Bereich keine Ausnahme. Viele amerikanische Reha-Mediziner, Pfleger, Krankenschwestern, Psychologen oder Physiotherapeuten absolvieren eine Reiki-Ausbildung. Auch die Breite der Anwendungen ist sehr viel größer als hierzulande. Die Amerikaner behandeln Krebspatienten ebenso mit Reiki wie Transplantationspatienten, HNO-Patienten oder Schilddrüsenpatienten. Meditation und Reiki-Behandlungen sind auch im Bereich der psychischen Erkrankungen in Anwendungen, wenngleich die Diagnostik mancher psychischer Erkrankungen die Betroffenen von solchen Behandlungen ausschließt.

In vielen amerikanischen Kliniken geben in Reiki ausgebildete Krankenschwestern Reiki-Kurse für Pflegepersonal, Mediziner, Reha-Therapeuten, Bewegungstrainer und Patienten. Ein Herzchirurg am „University of Maryland Medical Center“ in Baltimore lässt in Narkose befindliche Patienten sogar während einer Herztransplantation mit Reiki behandeln. Er sagt, die Heilung und Verarbeitung der Operation gehe dadurch schneller und besser vonstatten. Auch in England oder Argentinien ist Reiki dabei, ins therapeutische Gesamtkonzept integriert zu werden.

Fotonachweis: Reiki Behandlung – Teresa Ostos – flickrCC BY 2.0

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Das ist einfach super ! Wir hoffen dass es bald auch in Frankreich soweit kommen wird, das wäre wirklich toll. Vielen Dank für diesen super Artikel.

  2. Das ist eine wunderbare Nachricht! Selbst praktiziere ich Reiki bereits seit nun mehr als 22Jahren, seit 2013 auch als Lehrerin und ich bin sehr erfreut, dass Reiki sich immer mehr durchsetzt! Durch eine Reiki-Behandlung wird der Mensch ganzheitlich behandelt, das heißt auf ALLEN Ebenen seines SEINS nämlich Körper,Geist und Seele!

  3. Ich praktiziere seit 13 Jahren Reiki und bin überzeugt davon. Nicht nur meine eigenen Beschwerden konnte ich damit erfolgreich behandeln, sondern auch vielen anderen damit helfen. Ich freue mich sehr, dass es zunehmend Akzeptanz in Kliniken findet. Ganz einfach, weil hilft!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.